Zum Geleit

Hans-Joachim Gehrke

 

Habent sua fata libelli! Abgesehen davon, dass es sich hier nicht um ein „Büchlein“ handelt, stimmt der Satz für das nunmehr vorliegende Werk in besonderer Weise. Zunächst und vor allem: Es beruht auf minutiösen und immer wieder über viele Jahre hinweg geduldig vorangetriebenen Studien an der ältesten noch greifbaren Bausubstanz eines der großen Zentren der mittelalterlichen Welt, in Cluny. Unbeirrbar und keinem Zeittrend verhaftet, nur seinem eigenen Forscherdrang und seiner stets wachsenden Expertise folgend, hat Bernhard Flüge seine Arbeit vorangetrieben und wahrhaft dicke Bretter gebohrt. Stets war er offen für Kooperation, nicht zuletzt in Cluny und Burgund selbst, einem Ort und einer Landschaft, denen er sich – begreiflicherweise – ganz verschrieben hat. Durch keine Schwierigkeiten ließ er sich vom Wege abbringen, stets der Sache und seiner ars verpflichtet. 

Gerade damit hat er höchst Beachtliches erreicht. Selbst der Nicht-Spezialist merkt, dass hier Neuland betreten wurde, und dass die Ergebnisse Bestand haben werden – auch wenn mancher manches anders sehen mag. Die Publikation erlaubt nämlich den genauen Nachvollzug der Untersuchung, sie lässt den Leser gleichsam mitarbeiten und legt jederzeit offen, wie die Ergebnisse fundiert sind. Das allein ist, als ein zünftiges Opus, eine gewichtige Leistung. 

Gerade aber der Sinn für seine techne erlaubte es Bernhard Flüge auch, ein hohes Verständnis für die Verfahren und Arbeitsweisen seiner mittelalterlichen „Kollegen“ zu entwickeln. In klugem Rückgriff auf schriftliche Quellen gelang es ihm deshalb, auch die Vorgänge des Planens und Entwickelns zu rekonstruieren, hypothetisch zwar, aber doch so, dass mit einem Male implizites Wissen mittelalterlicher Baumeister und dessen lange Traditionen sichtbar werden. Damit leistet Flüge zugleich – ohne sich je dem Modischen verschrieben zu haben – einen wichtigen Beitrag zu einem derzeit neu entdeckten Feld der historischen Disziplinen jenseits der historischen Bauforschung, nämlich der Wissenschaftsgeschichte als Geschichte des Wissens und seines Transfers. 

Als jemand, der die Freude hatte, die Arbeit über die Jahre hinweg zu begleiten, dann und wann ein wenig Unterstützung zu geben, vor allem aber auch durch Gespräche mit dem Autor und die Lektüre selbst viel Neues zu lernen, wünsche ich dem Buch einen guten Weg, seinen Lesern reiche Belehrung und seinem Verfasser alles Gute für die Zukunft. 

Freiburg, im Juni 2011 

Hans-Joachim Gehrke